Ab dem 09.04.2018 steht in der Aula des Spessart-Gymnasiums Alzenau, für alle Mitglieder der Schulfamilie deutlich sichtbar, die Ausstellung des Projekt-Seminars „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Sie trägt den Untertitel „Komm mit uns auf den Weg“, ...

... was das Leitmotiv verdeutlicht, das alle 10 Themen der Ausstellung miteinander verbindet:

1) Rassismus und Alltagsrassismus

2) Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

3) Antisemitismus

4) Homophobie

5) Diversity

6) Diskriminierung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte

7) Hate Speech

8) Sport und Rassismus

9) Auswertung der Schülerbefragung zu Diskriminierung und Mobbing im Schulalltag

10) Wall of Fame und unsere zahlreichen Kooperationspartner: Politologe Dr. Ali Fathollah-Nejad, Street Artist Barbara und unsere Schul-Paten, das Cartoonisten-Duo Hauck & Bauer.

Ein „Wir“ macht sich auf den Weg, seine „Vielheit“ zu erfahren, seine Denkstrukturen zu erkennen, ein Gespür für unterschiedliche Formen der Ab- und Aufwertung und der daraus entstehenden Ausgrenzungen zu entwickeln. Der „Weg“ wird markiert durch Fußstapfen, die die Richtung anzeigen zu einem unbestimmten Ziel hin. Es gibt aber auch klare Grenzlinien um jede Ausstellungswand. Manche Grenzen gilt es zu überwinden. Andere müssen geachtet werden. Straßenverkehrsschilder wie „Vorfahrt achten!“, „Vorfahrt gewähren!“, oder „Kreisverkehr“ regeln den reibungslosen Ablauf und verhindern „Unfälle“. Man kommt auch an einem Sprechpult vorbei, an dem eine Frau mit Kopftuch eine Rede zu halten scheint (Installation mit Schaufensterpuppe) und dafür Hass erntet (Hate Speech). Wir schlendern an einem Kino vorbei, das Filme zum Thema „gleichgeschlechtliche Liebe“ präsentiert und an einer Museumswand, an der der Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes in einem Bilderrahmen dekorativ aber schief ausgestellt wird. Wir passieren Afghanistan, die Ukraine, Syrien, nur um einige Länder zu nennen, aus denen SGA-Schüler*innen kommen. Es sind bei weitem mehr: Türkei, Bosnien, Italien, Brasilien, Rumänien, Polen, Griechenland, Frankreich, Südafrika, Russland, China, Marokko, Ägypten etc. Wir betreten die Welt des Sports von Muhammed Ali bis hin zur deutschen Fußballnationalmannschaft. Und am Ende laufen wir an der Wall of Fame entlang, die uns Aussprüche und Gedanken von Menschen zeigt, die Zivilcourage bewiesen haben: Mutter Theresa, Martin Luther King, Gandhi, Sophie Scholl, Esther Bejarano. Vorbei an der Straßenkunst von Barbara, die mit ihren witzigen und provokativen Sprüchen den öffentlichen Raum gestaltet und ein Schmunzeln, Grübeln oder vielleicht auch Ärgern hervorruft. Vorbei an Zitaten aus dem Vortrag und Interview von Dr. Ali Fathollah-Nejad, der durch eine sachliche und unaufgeregte Analyse zu einem möglichen Perspektivenwechsel einlädt: Unser „Wir“ hat keinen kulturellen alleinigen Besitzanspruch auf Demokratie und Menschenrechte im Vergleich zu den „Anderen“. Demokratie und Menschenrechte sind universal. Vielleicht begreifen wir dann: Die „Anderen“ - das sind auch immer „Wir“!

Am Ende der Ausstellung steht ein Scheideweg. Der oder die Einzelne muss sich entscheiden: Welchen weiteren Weg wählst du? Nimmst du den Gang, der mit Begriffen bestückt ist, wie „Hass“, „Neid“, „Angst“, etc. oder betrittst du den Gang, in dem du Wörter lesen kannst wie „Liebe“, „Zusammenhalt“, „Respekt“, etc.

Das Konzept der Ausstellung wurde von den Teilnehmern des Seminars auf diese Weise entwickelt, um alle Mitglieder der Schulfamilie, zum Nachdenken anzuregen. Es sollte bewusst viel Raum eingenommen werden, der nach der Wahrnehmung der Schüler*innen für diese und ähnliche Themen sonst eher knapp bemessen sei. Die Ausstellung hatte zum Ziel zu informieren, zu sensibilisieren und zum offenen Diskurs aufzufordern. Sie war auch der Auftakt zum Appell, sich an der Unterschriftenaktion des Seminars zu beteiligen: 70% aller Mitglieder der Schulfamilie müssen sich mit ihrer Unterschrift dazu verpflichten, gegen Mobbing und Diskriminierung einzustehen und sich für die nachhaltige Pflege dieser Themen durch Projekte, Diskussionen, etc. einzusetzen. Dann würde das SGA in das bundeweite Schulnetzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage aufgenommen werden und Unterstützung von der Bundes- und Landeskoordinationsstelle erfahren. Lehrer, Mitarbeiter der Verwaltung und der Schulleitung, Mitarbeiter der Technik und des Reinigungsservice, Schüler… alle diese Menschen gehören zur Schulfamilie und bestimmen mit, in welchem Klima wir leben wollen. Welche Prinzipien uns wichtig sind. Was wir bereit sind zu verteidigen.

Die Ergebnisse und Reaktionen sind ernüchternd: am 15.05.18 hatten wir von den notwendigen 70%, lediglich 30%. Die Komponenten der Ausstellung wurden regelmäßig verunstaltet: Der Schaufensterpuppe wurde wiederholt das Kopftuch heruntergezogen. Plakate lagen am Boden. Einzelne Bestandteile mussten aus dem Müll gefischt werden u.v.m. Zudem gab es eine Reihe von Beschwerden: Das Seminar würde einseitige, politische Werbung betreiben. Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sei gegen die AFD und für die Linken oder die Grünen. Im Vergleich hierzu folgende Links:

https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/klares-bekenntnis-zu-den-courage-schulen/

http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/AfD-will-Meldeplattform-fuer-kritische-Lehrer-einrichten

Vergleich auch die Beschreibung des Informations-Flyers des Seminars: „SoR – SmC ist weder rechts, noch links, noch in der Mitte!“ Das Feedback-Pult, das bewusst zur anonymen und freien Rückmeldung aufforderte, brachte Kommentare zum Vorschein, die vereinzelt einen klaren antisemitischen oder muslimfeindlichen Aussagewert aufweisen. Die positiven Rückmeldungen überwogen allerdings im Vergleich zu den negativen. Dennoch waren die mit Abstand am stärksten vertretenen Kommentare völlig sinnentleert und ohne jeglichen Bezug zu den Ausstellungsthemen. Wie ist das zu werten? Das soll jeder Leser und jede Leserin für sich selbst entscheiden.

Fest steht: Der Weg geht weiter. Es werden weiterhin Unterschriften gesammelt. Deine Unterschrift zählt! Vielleicht mehr denn je!!! Des Weiteren laden wir herzlich zur Finissage (=Abschlussveranstaltung) der Ausstellung am 15.06.2018 in der Aula des SGA ab 18.00 Uhr ein! Es werden neue Ausstellungselemente präsentiert. Überraschung!

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