Drucken

 

Europa leben: Tradition und Moderne

 

Am Spessart-Gymnasium Alzenau, das drei Zweige (Sprachliches Gymnasium, Humanistisches Gymnasium und Naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium) anbietet, wird der europäische Gedanke in überaus vielfältiger Weise gefördert, gepflegt und gelebt. Herausragendes Merkmal ist, dass Tradition und Moderne zusammenwirken und sich gegenseitig ergänzen. Gelingen kann dies unter Rückbesinnung auf die Wurzeln des europäischen Gedankens in der Antike bzw. dem Humanismus, durch - fächerübergreifende, jahrgangsübergreifende und außerunterrichtliche - Zusammenarbeit innerhalb der Schulgemeinschaft über alle Zweige hinweg und mit unseren europäischen Partnern. Sowohl im Fachunterricht als auch in vielfältigen Projekten werden auf der Grundlage einer in Europa gewachsenen Werteorientierung Einstellungen und Haltungen entwickelt, die Tradition und Moderne verbinden.

 

1. Europäische Wurzeln: Humanistischer Bildungsgang

 

Im Humanistischen Zweig stehen - neben dem Spracherwerb - die mythologischen und philosophischen Aspekte sowie die kulturhistorischen Grundlagen lehrplanmäßig im Zentrum des Interesses. Dabei kommt auch zum Ausdruck, wie sehr humanistisches Denken unsere heutigen europäischen Werte, wie zum Beispiel die Demokratie, geprägt hat. Neben der theoretischen Beschäftigung im Unterricht mit diesen Werten, ist die gelebte Demokratie am Spessart-Gymnasium ein wichtiges Thema. So gibt es eine sehr große und aktive SMV, die etwa zu Beginn dieses Schuljahres gemeinsam mit der Schulleitung die Klassensprecherwahl stärker in den Fokus gerückt und somit einen wichtigen Beitrag zur praktischen Demokratieerziehung geleistet hat.

 

 

2. Europäischer Austausch: Moderne europäische Kultur und Sprache

 

2.1. Langjährige und nachhaltige Schulpartnerschaften in Europa

Der moderne Aspekt wird – über das Erlernen der modernen Fremdsprachen Englisch, Französisch und Spanisch hinaus - durch schon seit vielen Jahren bestehende, nachhaltige europäische Schulpartnerschaften betont.

Es bestehen aktuell Partnerschaften mit dem Collège Elsa Triolet in Thaon-les-Vosges/Frankreich (seit 1985, für die Jahrgangsstufe 8), dem Liceum Ogolnoksztalcace in Legionowo/Polen (seit 1995, für die Oberstufe) und der Salpausselän Peruskoulu in Lahti/Finnland (seit 2001, für die Jahrgangsstufen 8 und 9). Regelmäßig finden gegenseitige Besuche von Schülergruppen statt, bei denen jeweils unterschiedliche thematische Schwerpunkte (z.B. „Bildung in Finnland“, „Deutsch-polnische Geschichte“, „Römer in Frankreich und in Deutschland“) gesetzt werden, im Fokus stehen aber immer die Förderung des Verständnisses füreinander, die Förderung der interkulturellen Kompetenzen und die Förderung der Begeisterung für andere Länder und Kulturen innerhalb Europas.

 

2.2. Teilnahme an Europäischen Bildungsprogrammen

Auch an Europäischen Bildungsprogrammen, wie z.B. Comenius (1999/2000 multilaterale Lehrermobilität, 2003/04 Projekt mit Schülern) und Erasmus+ (Lehrerbildung), hat sich die Schule bereits beteiligt. Weiterhin können die Schüler an vielfältigen Einzelaustauschprogrammen (z.B. Sauzay-Programm in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Französischem Jugendwerk oder Austausch über den Rotary Club) und Sprachwettbewerben teilnehmen und auch DELF- und CAE-Prüfungen ablegen. Im Herbst 2018 hat ein Gastlehrer aus Ungarn, im Rahmen eines Hospitationsprogramms des Bayerischen Kultusministeriums zwei Wochen am SGA hospitiert In diesem Schuljahr gibt es am Spessart-Gymnasium ebenfalls einen Fremdsprachenassistenten für Französisch.

 

3. Europäische Identität: Zusammen sind wir eins

 

3.1. Antike trifft Moderne - Lateintheater stärkt interkulturelle Kompetenz

Mythologische Bezüge greift die Latein-Theater-Gruppe des Spessart-Gymnasiums jedes Jahr in ihren Produktionen auf. Im vergangenen Schuljahr siegte die Truppe beim Bundeswettbewerb Fremdsprachen in Schwerin und erhielt einen ersten Preis. Zehn Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 8 verfassten das Theaterstück "Tatort Antike - Zwischen Himmel und Hades". In den Sprachen Latein, Englisch, Französisch und Spanisch begaben sie sich darin auf die Suche nach der entführten Proserpina. Diese führte die Ermittler Merkur und Amor nach Bayern, Frankreich, Spanien, England und Schottland. „(…) Unsere Schülerinnen und Schüler befassen sich mit Land und Leuten und tauchen gerade bei den Alten Sprachen in die Geschichte ein und stärken ihre interkulturelle Kompetenz (…)“, so kommentierte dies der damalige Kultusminister Sibler.

 

3.2. „All the world’s a stage“ - Theater überwindet Grenzen

Im Zuge der Teilnahme am Schulversuch KOMMit entstand unter anderem die Theatergruppe ACTORS’ WORLD. Sie wendet sich seit über zehn Jahren explizit an Schüler/innen der fünften bis einschließlich zehnten Jahrgangsstufe mit und ohne Migrationshintergrund, so dass Integration spielerisch über das Medium Theater stattfinden kann. Circa ein Drittel der Teilnehmer/innen hat Wurzeln, die außerhalb Deutschlands liegen. Durchschnittlich nehmen jährlich etwa dreißig Schüler/innen teil.

 

3.3. „Mama lernt Deutsch“ - Sprachkurs für Mütter

Ebenfalls aus dem Schulversuch KOMMit entstand dieser Sprach- und Kulturkurs für Mütter, die nur wenig Deutsch sprechen. Sie treffen sich einmal wöchentlich am Spessart-Gymnasium mit einer außerschulischen Lehrkraft, um sich gemeinsam der deutschen Sprache und Kultur zu nähern und so ihre Kinder besser unterstützen zu können.

 

3.4. Arkadaş - heißt „Freund“

Schüler/innen des Spessart-Gymnasiums helfen bei diesem vielfach ausgezeichneten Integrationsprojekt jüngeren Kindern auf ihrem Weg in die Gesellschaft. Das Projekt hat unter anderem den Bayerischen Verfassungspreis 2010 sowie im Jahr 2009 den Integrationspreis der Bundesregierung „respekt09“ gewonnen. Das ursprüngliche Konzept wurde etwas angepasst, so dass das Arkadas-Betreuerteam jetzt auch am Spessart-Gymnasium selbst arbeitet. Rund 15 Kinder aus verschiedenen 5. Klassen nehmen daran teil. Die Treffen finden jeden Freitagnachmittag statt. Gemeinsam wollen große und kleine "Arkadasler" zunächst auf Erkundungstour gehen und dabei z.B. verschiedenste Länder, deren Feste und Kulturen erforschen.

 

3.5. „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“

Das gleichnamige P-Seminar wurde im Herbst 2018 mit seiner Ausstellung „Grenzen, Wege, Möglichkeiten“ für den European Youth Culture Award nominiert. Ebenfalls im Herbst 2018 wurde das Spessart-Gymnasium zur offiziellen „Courage“-Schule.

 

4. Europäische Auseinandersetzung

 

4.1. Veranstaltungen und Diskussionsrunden

In der Schule finden Veranstaltungen statt für Schüler aller Jahrgangsstufen, von denen im Folgenden nur eine Auswahl genannt wird. Am „Deutsch-Französischen Tag“, der seit über zehn Jahren jährlich bei uns gestaltet wird, gibt es zum Beispiel Vorträge, Filme, Wettbewerbe, einen Chanson-Abend, Spiele oder ein Quiz. Am „Europa-Tag“ im Jahr 2016 konnten Schüler an einem Europa-Quiz teilnehmen und Preise der Europa-Vertretung in Bayern gewinnen, im Jahr 2018 gab es einen Flashmob zur Europahymne und im Jahr 2019 kamen ehemalige Schüler, die inzwischen in der Politik tätig sind, als Referenten zu einem Worldcafé „Europa in der Diskussion“ an unsere Schule. Das P-Seminar „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ lud im März 2018 den Politologen Dr. Ali Fathollah-Nejad zu einem Vortrag und einer Diskussionsrunde zum Thema „Europa und seine Nachbarregionen“ ein. Ebenso setzen sich die Schüler bei regelmäßig stattfindenden Gedenkstättenfahrten (z.B. Dachau, Buchenwald in der neunten Jahrgangsstufe) oder im Rahmen des Austausches mit Polen (in der Oberstufe) intensiv und in differenzierter Weise mit der europäischen Geschichte auseinander.

 

4.2. Europäische Seminare in der Oberstufe

In der Oberstufe entwickeln die Schüler gemeinsam mit den Lehrkräften in P-Seminaren Konzepte für thematisch orientierte Studienfahrten, die häufig ebenfalls den europäischen Gedanken im Blick haben. Bereits stattgefunden haben etwa ein P-Seminar mit Studienfahrt zu „Europäischen Institutionen in Brüssel und Straßburg“ , P-Seminare mit Studienfahrten zu dem Thema „Kreta – Mythos und Moderne“, bei denen unter anderem Gortys besichtigt wurde, das einerseits mit dem Mythos um Zeus und Europa verknüpft ist, und wo man andererseits auch den bislang ältesten aufgefundenen Gesetzescodex Europas sehen kann sowie P-Seminare mit Studienfahrten zu dem Thema „Griechenland als kulturelle Wurzel Europas“. Ein W-Seminar beschäftigte sich explizit mit dem Thema „Roma aeterna – Das bleibende Erbe der römischen Antike für das moderne Europa“.

 

Zusammenfassung

Am Spessart-Gymnasium werden die – bereits aus der Antike bekannten – europäischen Werte besonders intensiv gelebt. Diese Werte finden sich nicht nur in unserem Schulprofil und unserer Schulvereinbarung, sie sind auch im Schulalltag ständig sichtbar auf den Pfeilern in der Eingangshalle. Vor allem manifestieren sie sich im sozialen Miteinander, das unsere Schüler im täglichen Umgang, aber auch in ihrem sozialen Engagement (Päckchenaktion der SMV vor Weihnachten für Kinder in Osteuropa, Spendenaktionen für „Verein für bedürftige Kinder Alzenau“, Unicef, Verein Grenzenlos u.v.m), in gelebter Solidarität (z.B. P-Seminar Masifunde, Fair Trade School) und im Leben von Toleranz (z.B. Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage) zeigen.