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Auf den Spuren der Antike im Isar-Athen

Griechisch, Latein, Exkursionen

Auf den Spuren der Antike im Isar-Athen

Vier Tage, zwei Schulen, unzählige Eindrücke - und irgendwo zwischen antiken Statuen, bayerischer Baupolitik und WhatsApp-Chats mit Königen wurde klar: München trägt seinen Spitznamen „Isar-Athen“ völlig zu Recht. Und ja: Geschichte kann nicht nur lehrreich, sondern auch ziemlich unterhaltsam sein.

Tag 1: Mittelalter trifft Moderne
Nach der Ankunft in München ging es direkt hinein in die Geschichte - allerdings zunächst nicht in die Antike, sondern ins mittelalterliche München. Unser Kollege Herr Schilling führte uns mit beeindruckender Detailkenntnis durch verwinkelte Gassen, vorbei an Stadttoren und Geschichten, die so lebendig erzählt wurden, dass man fast meinte, gleich komme noch ein Händler um die Ecke.

Spätestens am Abend beim gemeinsamen Essen im Atzinger zeigte sich dann, dass nicht nur historisches Wissen gefragt ist: Die Schülerinnen und Schüler aus Rothenburg und Alzenau hatten sich erstaunlich schnell „zusammengefunden“. Binnen kürzester Zeit entstand eine neue Gemeinschaft - offenbar unterstützt durch gutes Essen, gemeinsame Gespräche und die Erkenntnis, dass man über dieselben Dinge lachen kann.

Tag 2: Antike zum Anfassen - und kreativ neu gedacht
Der zweite Tag stand ganz im Zeichen der Antike: In der Glyptothek und den Antikensammlungen begegneten wir Göttern, Helden und mythologischen Szenen - teils in beeindruckender Größe, teils mit Gesichtsausdrücken, die auch heute noch Interpretationsspielraum lassen.

Am Nachmittag wurde es dann kreativ: Die Eindrücke wurden nicht nur gesammelt, sondern aktiv weiterverarbeitet. Dabei entstanden Projekte, die historische Inhalte mit modernen Formaten verbanden:

  • Ein WhatsApp-Chat zwischen Lola und König Ludwig I. - vermutlich nicht ganz quellenkritisch, aber sehr überzeugend in der Umsetzung
  • Ein Instagram-Auftritt, in dem Ludwig I. München als „Place to be“ präsentiert (#IsarAthen lässt grüßen)
  • Ein Streitgespräch zwischen Ludwig und seinen Bürgern über seine Bautätigkeit - erstaunlich nah an heutigen Diskussionen
  • Ein Audioguide, in dem Ludwig selbst durch München führt - hörbar stolz auf seine Leistungen

Hier wurde deutlich: Geschichte lässt sich nicht nur lernen, sondern auch gestalten.

Tag 3: Große Gesten, große Feste
Der dritte Tag begann mit der Präsentation der Projekte. Die Ergebnisse zeigten eindrucksvoll, wie differenziert und zugleich kreativ sich die Schülerinnen und Schüler mit den Inhalten auseinandergesetzt hatten.

Anschließend ging es zur Bavaria und zur Ruhmeshalle. Spätestens hier wurde deutlich, wie ambitioniert Ludwig I. sein „Isar-Athen“ gedacht hat - monumental, eindrucksvoll und definitiv nichts für Menschen mit Abneigung gegen Treppen.

Der Kontrast ließ nicht lange auf sich warten: Beim Besuch des Frühlingsfestes zeigte sich München von seiner lebendigeren Seite. Zwischen Fahrgeschäften und Zuckerwatte wurde schnell klar, dass auch moderne Stadtkultur ihre ganz eigenen Reize hat - inklusive der Erfahrung, dass manche Attraktionen mehr Mut erfordern als ein Referat.

Am Nachmittag stand noch ein Besuch im Bahnwärter Thiel auf dem Programm - und hier wurde es noch einmal besonders abwechslungsreich: Zwischen alten U-Bahn-Waggons, Containern und kreativ genutzten Flächen begegneten uns zahlreiche Formen zeitgenössischer Kunst.

Vor allem die Streetart prägte den Eindruck: großflächige Graffiti, detailreiche Murals und immer neue Perspektiven machten deutlich, dass Kunst hier im ständigen Wandel ist. Während einige versuchten, Motive genauer zu deuten, hielten andere fest, dass ein spontanes „Sieht beeindruckend aus“ ebenfalls eine legitime erste Annäherung sein kann.

Ein besonderes Highlight war das Mural des spanischen Künstlers Liqen. Seine komplexen, vielschichtigen Darstellungen luden dazu ein, genauer hinzusehen - und zeigten zugleich, dass nicht jede Kunst sofort eindeutig entschlüsselt werden muss, um zu wirken.

Der Bahnwärter Thiel bildete damit einen spannenden Kontrast zur klassischen Antike des Vortags: Statt klarer Formen dominierten hier Dynamik, Farbe und Offenheit für Interpretation. Genau dieser Perspektivwechsel machte den Besuch besonders wertvoll.

Der Abend stand schließlich zur freien Verfügung - und wurde von den meisten sinnvoll (und mit sichtbarer Motivation) genutzt.

Tag 4: Abschied mit vielen Eindrücken
Am vierten Tag hieß es Abschied nehmen - von München, von der Antike und von vier Tagen, die sowohl fachlich als auch gemeinschaftlich viel geboten haben.

Fazit:
Diese Exkursion hat gezeigt, dass Geschichte alles andere als „verstaubt“ ist. Sie lebt - in Bauwerken, in Kunst und in neuen Ideen, die daraus entstehen.

Besonders hervorzuheben ist, wie schnell die Schülerinnen und Schüler aus Rothenburg und Alzenau zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen sind. Gemeinsames Lernen und gemeinsames Erleben gingen hier Hand in Hand.

Oder, leicht augenzwinkernd formuliert:
München war auch für uns - zumindest für vier Tage - ein kleines Athen. Und definitiv eines, das in Erinnerung bleibt.