Tausendmal bestellt, tausendmal gelesen? Ein spannendes Experiment bricht am Spessart-Gymnasium die Grenzen des klassischen Schulalltags auf und bietet große Chancen für die gesamte Schulgemeinschaft.
Bereits in der ersten Schulwoche waren die Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach einem Lösungswort und konnten mit diesem in einem kleinen Videobeitrag entdecken, welche Besonderheit sie in diesem Schuljahr erwartet. Der tatsächliche Auftakt des Projekts war jedoch der erste Wandertag des Schuljahres. Passend zum Start des gemeinsamen Abenteuers erhielten die Schülerinnen und Schüler ein besonderes Gepäckstück: den Roman „Wolf“ von Saša Stanišić und damit konnte das Projekt, das unsere Schulgemeinschaft durch das Schuljahr begleiten wird, auf vielfältige Weise beginnen.
Die Klasse 6d besuchte das Klingspor Museum in Offenbach. Passend zum Deutschunterricht und zum Thema Märchen nahm die Klasse an einem Kreativworkshop zu „Rotkäppchen und der Wolf“ teil. Anhand eines Buches von Warja Honegger-Lavater erfuhren die Schülerinnen und Schüler, wie sich die Geschichte ganz ohne Worte erzählen lässt – allein mit Punkten in verschiedenen Farben. Außerdem bekamen sie die sehr lustige Märchen-Parodie „Rotkäppchen hat keine Lust“ von Sebastian Meschenmoser vorgestellt. Anschließend gestalteten die Kinder mit Punktstempeln eigene Leporellos: entweder zum Märchen Rotkäppchen oder zu einer selbst erfundenen Geschichte. Dabei hatten alle viel Spaß, auch wenn man den ein oder anderen Spritzer Farbe abbekam!
Eine andere Klasse erlebte auf dem Gelände der Schule eine spannende Führung eines Försters zum Thema „Wolf“. Viele Klassen begannen mit dem gemeinsamen Lesen des Romans an unterschiedlichen Orten. Die Klasse 7d machte zusätzlich eine Umfrage zum Thema „Ferienlager“ in der Klasse. In der 11a haben sich die Schüler dem Buch über Sinneswahrnehmungen und Naturerfahrungen genähert. Dabei wurden Fundstücke gesammelt, die schließlich in der Klasse arrangiert wurden. Impulse waren Aspekte wie z.B. die Beziehung Mensch und Natur, Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. Ausschluss aus einer Gruppe.
Ein Wolf, ein Wald und viele Fragen
Im Mittelpunkt des Romans steht ein Junge, der wenig Lust auf ein Ferienlager im Wald hat. Doch dort wird er mit Fragen konfrontiert, die weit darüber hinausreichen: Was bedeutet Freundschaft? Warum werden Menschen ausgegrenzt? Und wie viel Mut braucht es, nicht einfach wegzusehen?
Mit Humor und einer ebenso einfühlsamen wie originellen Sprache erzählt Saša Stanišić eine Geschichte über Ausgrenzung, Angst, Freundschaft und Zivilcourage - Themen, die auch im Alltag eine wichtige Rolle spielen.
Gemeinsam lesen - gemeinsam wachsen
Das Besondere an unserem Projekt: Alle lesen dasselbe Buch, aber jeder entdeckt darin etwas anderes. Jüngere Schülerinnen und Schüler betrachten die Geschichte möglicherweise mit anderen Augen als die Oberstufe, während Lehrkräfte, Eltern, Sekretärinnen oder Hausmeister eigene Erfahrungen einbringen. Daraus können Gespräche entstehen, die sonst vielleicht nie geführt werden würden.
Nicht Lesen als Teil des Deutschunterrichts steht im Mittelpunkt, vielmehr geht es um den verbindenden Charakter einer solchen gemeinsamen Aktion und um Begegnung auf Augenhöhe!
Wenn alle das gleiche Buch lesen, liefert dies Gesprächsstoff für den Pausenhof, die Mensa oder den Küchentisch zuhause. Statt digitaler „bubble“ wird gemeinsames Erleben bedeutsam und somit das Gemeinschaftsgefühl gestärkt.
Ein Projekt für das ganze Schuljahr
Das Projekt ist auf das gesamte Schuljahr ausgelegt. Bis Weihnachten soll jeder und jede den Roman gelesen haben – jede Klasse entscheidet für sich, ob gemeinsam gelesen wird oder ob man lieber zuhause für sich liest…oder ob sich eine Mischform finden lässt. Danach hat jede Klasse Gelegenheit, sich auf ihre Weise mit dem Buch auseinanderzusetzen und ein gemeinsames Klassenprojekt zu starten. Die Klassensprecher koordinieren das Projekt gemeinsam mit dem stellvertretenden Klassenleiter. Dabei können sie frei entscheiden, ob es ein fächerorientiertes oder ein fächerübergreifendes Arbeiten sein soll.
Ob künstlerisch, literarisch, musikalisch oder szenisch - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Ergebnisse sollen spätestens beim Sommerfest 2027 präsentiert werden. Auch eine Begegnung mit dem Autor ist angedacht.
Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Teilgruppe „Miteinander“ der Inneren Schulentwicklung (iSE). Ihr Anliegen ist es, den Zusammenhalt zu fördern, gegenseitiges Verständnis zu stärken, eine Kultur des Hinsehens zu fördern und gemeinschaftliches Handeln zu unterstützen.
Denn eine starke Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass alle gleich denken, sondern dadurch, dass wir einander zuhören, Unterschiede respektieren und füreinander einstehen.
Eine Schule. Ein Buch. Viele Geschichten. Ein gemeinsames Wir.
PS: Die Lösung des Rätsels der ersten Schulwoche war übrigens LUPUS. Das ist das lateinische Wort für WOLF und aus dem Akronym ergibt sich, worum es geht:
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