Zum Hauptinhalt springen

„Gibt es einen gerechten Krieg?“ - Schülertag Alte Sprachen in Würzburg

Latein, Exkursionen • •

„Gibt es einen gerechten Krieg?“ - Schülertag Alte Sprachen in Würzburg

Sechs Schüler des Leistungskurses Latein der 12. Jahrgangsstufe machten sich am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, gemeinsam mit ihrem Kursleiter Michael Schrauder auf den Weg nach Würzburg. Ziel war der Schülertag für Alte Sprachen zum Thema „Gerechter Krieg“, den die Fakultät für Klassische Philologie der Universität Würzburg veranstaltete.

Vier Bausteine bildeten ein abwechslungsreiches Programm:

In einem Impulsvortrag von Professor Dr. Thomas Baier wurde die Problematik des „Gerechten Krieges“ zunächst im Blick auf den Trojanischen Krieg hinterfragt: Ist es verhältnismäßig, um eine entführte Frau wieder zurückzuholen, zehn Jahre Krieg zu führen, zumal die „schöne Helena“ womöglich freiwillig mit ihrem Entführer Paris mitgekommen sei, und dieser die bereits mit Menelaos Verheiratete schließlich von der Göttin Aphrodite selbst als Preis versprochen bekam.

Von Seiten der Griechen wurde im Blick auf die Legitimation des Trojanischen Krieges aber ganz stark damit argumentiert, dass man doch das Recht verteidigen müsse und man den „Barbaren“ aus dem Osten so einen frevelhaften Rechtsbruch nicht durchgehen lassen dürfe.

In einem zweiten kniffligen Fall wurden die Schüler in die Entscheidungssituation vor der Schlacht bei Zama (202 v. Chr.) hineingenommen, welche uns durch den römischen Historiker Livius überliefert ist: Hier hatte Hannibal seinem römischen Gegner Scipio am Ende des 2. Punischen Krieges einen Friedensschluss angeboten. Auf diesen ging der römische Feldherr letztlich nicht ein, da er die vielen grausamen Siege Hannibals auf römischem Boden glaubte rächen zu müssen und erst so wieder „Gerechtigkeit“ herstellen zu können.

Sehr spannend fanden die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Latein die folgende Führung durch die Gemäldegalerie des Martin von Wagner Museums. Besonders dessen Werk „Die griechischen Helden vor Troja“ aus dem Jahr 1807 setzte sich – nun auf künstlerischer Ebene – erneut mit der Frage auseinander, wie denn ein Ende des Trojanischen Krieges erreicht werden könne und ob dieser wirklich gerechtfertigt sei, angesichts des vielen Leids, das der Krieg schon verursacht hatte. Keine strahlenden „Siegertypen“ bannte der Künstler auf die Leinwand, sondern nachdenkliche Männer, die in der gemeinsamen Beratung um eine Lösung rangen. Unsere Führerin Maria Schabel, die zu diesem Bild ihre Masterarbeit verfasst hatte, konnte bei ihren Erklärungen auch einen faszinierenden Bogen zu der Entstehungszeit des Werkes schlagen: Denn zur Zeit der Napoleonischen Kriege, die ganz Europa damals erschüttert hatten, dominierte gleichfalls die kritische Sicht darauf, wie unendlich viel Leid die Menschen im Zuge der Kriege erlitten hatten.

Dritter Baustein des Studientages war eine Führung durch die Antikensammlung, bei der Prof. Dr. Jochen Griesbach anhand griechischer Vasen die Thematik „Krieg“ aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete und weiter künstlerisch vertiefte.

„Höhepunkt“ für unsere Lateiner war der abschließende Worshop zu Tacitus bei Jeremy Wink. Kernthema war die vom römischen Historiker Tacitus in seinem Werk „Agricola“ überlieferte Calgacus-Rede: Sie ist eine der berühmtesten fiktiven Reden der antiken Weltliteratur und gilt als schärfste imperiumskritische Passage der römischen Geschichtsschreibung. Teilweise in deutscher Übersetzung, aber auch anhand von intensiver Übersetzungsarbeit am lateinischen Original wurde die Kritik des kaledonischen Heerführers an den römischen Eroberern sehr deutlich: „Rauben, Morden, Plündern nennen sie mit falschen Worten Herrschaft, und wo sie eine Einöde schaffen, nennen sie es Frieden.“

Durch gekonnt gesetzte Bezüge zum europäischen und amerikanischen Kolonialismus und seiner leitenden Idee von einer „überlegenen Kultur“ sowie anhand eines kurzen Auszugs aus der Begründung des Golfkrieges durch Georg W. Bush, der (zumindest nach eigener Aussage) mit seinem Einmarsch auch die Lebensverhältnisse der Menschen im Irak verbessern wollte, schaffte es Herr Wink sehr überzeugend, die Aktualität der „alten Texte“ herauszustellen und deren Potential bei der aktuellen Frage nach einem „gerechten Krieg“ deutlich werden zu lassen.