Eine Woche voller Begegnungen, Kultur, Geschichte und deutsch-italienischer Freundschaft
Was passiert, wenn 20 italienische Schülerinnen und Schüler aus Viterbo auf ihre deutschen Austauschpartner am Spessart-Gymnasium treffen? Ganz einfach: Es wird viel gelacht, einiges gelernt, gelegentlich improvisiert und vor allem eine Woche lang Europa gelebt. Vom 4. bis zum 10. Oktober 2026 waren unsere italienischen Gäste vom Liceo „Mariano Buratti“ zu Besuch in Alzenau - und das Programm hatte es in sich!
Benvenuti ad Alzenau!
Am Sonntag landeten unsere Gäste am Frankfurter Flughafen und wurden von ihren deutschen Gastfamilien herzlich empfangen. Nach einem gemeinsamen Buffet am SGA standen zunächst eine Schulhausführung und Kennenlernspiele auf dem Programm. Sprachbarrieren? Allenfalls vorübergehend! Denn spätestens nach den ersten gemeinsamen Aktivitäten war klar: Zur Verständigung braucht man nicht immer perfekte Grammatik - manchmal reichen ein Lächeln, ein paar Gesten und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen.
Der Montag begann mit einem Einblick in den deutschen Schulalltag. Anschließend erkundeten die Jugendlichen Alzenau, bevor sie im Rathaus vom Bürgermeister herzlich empfangen wurden. Nach dem Mittagessen führte der Weg nach Seligenstadt, wo die historische Altstadt bei einer Führung entdeckt wurde. Dass Deutschland nicht nur aus Großstädten, Autobahnen und pünktlichen Zügen besteht, dürfte spätestens hier deutlich geworden sein - wobei Letzteres bekanntlich ohnehin nicht immer garantiert ist.
Von römischen Wohnzimmern und kurfürstlichen Schlössern
Am Dienstag wurde zunächst gemeinsam an einem deutsch-italienischen Projekt gearbeitet. Im Mittelpunkt standen kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die die Schülerinnen und Schüler kreativ aufbereiteten. Dabei zeigte sich schnell, dass deutsche und italienische Vorstellungen von Pünktlichkeit, Essenszeiten und Alltagsorganisation durchaus Stoff für humorvolle Szenen bieten.
Am Nachmittag ging es nach Aschaffenburg. Während eine Gruppe im Pompejanum das Alltagsleben einer wohlhabenden römischen Familie kennenlernte, erkundete die andere Schloss Johannisburg. Besonders interessant: Die italienischen Gäste reisten gewissermaßen auf den Spuren ihrer eigenen Vorfahren – schließlich hatten die Römer auch in unserer Region deutliche Spuren hinterlassen.
Frankfurt: Zwischen Skyline, Fachwerk und Schifffahrt
Am Mittwoch stand Frankfurt auf dem Programm. Bei einer Stadtführung durch die Neue Altstadt, vorbei an Römerberg, Kleinmarkthalle und Paulskirche, lernten unsere Gäste die Mainmetropole von ihrer historischen Seite kennen.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Frankfurter Wirtshaus blieb Zeit, die Stadt auf eigene Faust zu entdecken. Den Abschluss bildete eine Schifffahrt auf dem Main. Frankfurt einmal vom Wasser aus zu erleben, bot eine ganz andere Perspektive auf die imposante Skyline - und natürlich reichlich Gelegenheit für Erinnerungsfotos.
Mainz: Auf den Spuren der Römer
Der Donnerstag führte die Gruppe nach Mainz, wo die Jugendlichen bei einer Stadtführung in die über 2000-jährige Geschichte der Stadt eintauchten. Im Mittelpunkt stand das römische Mogontiacum, einst ein bedeutender Militärstandort am Rhein.
Dass die Römer auch hier ihre Spuren hinterlassen hatten, dürfte unsere italienischen Gäste kaum überrascht haben - schließlich waren ihre Vorfahren in Sachen Expansion ausgesprochen reisefreudig.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen bei Wilma Wunder erkundeten die Jugendlichen Mainz in Kleingruppen. Dabei blieb genügend Zeit, die Stadt ganz nach eigenen Interessen zu entdecken und das deutsch-italienische Miteinander zu genießen.
Kreativität, Sternwarte und eine „Serata italiana“
Am Freitag standen die gemeinsamen deutsch-italienischen Projekte im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten an ihren Präsentationen, in denen sie kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Italien auf humorvolle Weise beleuchteten. Dabei zeigte sich, dass nationale Klischees durchaus unterhaltsam sein können - vor allem, wenn man gemeinsam darüber lachen kann.
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der Sternwarte, bei dem der Blick über die Grenzen Deutschlands und Italiens hinaus ins Weltall gerichtet wurde. Dort wurde deutlich, dass aus astronomischer Perspektive selbst die Unterschiede zwischen Bayern und Italien erstaunlich klein erscheinen.
Den festlichen Höhepunkt bildete am Abend die „Serata italiana“. Gemeinsam mit den Gastfamilien kamen die deutschen und italienischen Jugendlichen zusammen, präsentierten ihre Projekte und ließen die ereignisreiche Woche bei einem gemeinsamen Essen ausklingen.
Hier zeigte sich noch einmal, worum es beim Schüleraustausch eigentlich geht: nicht nur um Sehenswürdigkeiten und Sprachkenntnisse, sondern vor allem um persönliche Begegnungen. Und natürlich um die Erkenntnis, dass sich die deutsch-italienische Freundschaft bei gutem Essen besonders angenehm pflegen lässt.
Arrivederci - aber hoffentlich nicht für lange!
Am Samstag hieß es schließlich Abschied nehmen. Nach einer Woche voller Ausflüge, gemeinsamer Aktivitäten und neuer Erfahrungen traten unsere italienischen Gäste die Heimreise an.
Was bleibt, sind viele Erinnerungen, neue Freundschaften und die Erkenntnis, dass Europa weit mehr ist als eine politische oder geografische Bezeichnung. Europa entsteht dort, wo junge Menschen einander begegnen, Unterschiede entdecken, Gemeinsamkeiten finden und über sprachliche Grenzen hinweg Freundschaften schließen.
Ein ganz besonderer Dank gilt unseren Gastfamilien, die ihre Türen geöffnet, unsere italienischen Gäste herzlich aufgenommen und ihnen ein Zuhause auf Zeit geschenkt haben. Ohne ihre Gastfreundschaft und ihr Engagement wäre ein solcher Austausch nicht möglich.
Ebenso danken wir allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen sowie unseren italienischen Partnern vom Liceo „Mariano Buratti“ Sara Signorelli und Gianluca Zappa in Viterbo für die hervorragende Zusammenarbeit.
Unser herzlicher Dank gilt darüber hinaus der Sparkasse, der VR-Bank, dem Freundeskreis des Spessart-Gymnasiums, dem Elternbeirat und dem Landkreis Aschaffenburg, die unseren Schüleraustausch durch ihre finanzielle Unterstützung maßgeblich mitermöglicht haben. Gerade in Zeiten, in denen internationale Begegnungen keineswegs selbstverständlich sind, leisten sie damit einen wertvollen Beitrag zur europäischen Verständigung.
Denn eines hat diese Woche wieder einmal gezeigt: Europa wächst nicht allein durch Verträge und Institutionen zusammen, sondern vor allem durch Menschen, die einander begegnen.
Grazie mille a tutti - e arrivederci a Viterbo!